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Tipps für gute Makroaufnahmen

In der letzten Zeit hat die Anzahl der Internet-Auftritte mit digitalen Aufnahmen von Ameisen zugenommen. Leider sind die dort dargestellten Aufnahmen nicht immer von guter Qualität. Arttypische morphologische Merkmale sind schwer zu erkennen.


Bevor man die eigenen Bilder ins Internet stellt, sind Überlegungen anzustellen, warum man die Bilder der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. In vielen Fällen dienen die Ameisen-Fotos der Dokumentation der Artenvielfalt in den besammelten Regionen. In den seltensten Fällen sind dort alle Arten eindeutig bestimmt und die Autoren rufen dazu auf, unbestimmte Morphospezies anhand der Fotografien nach zu bestimmen. Bei minderer Qualität der Aufnahmen oft ein hoffnungsloser und erfolgloser Aufruf. (Fairerweise muss ich erwähnen, dass der Grund für den Mißerfolg solcher Aufrufe allerdings auch im Fehlen von Experten für die entsprechende Ameisengruppe zu suchen ist.)


Die Qualität der eigenen Aufnahmen hängt nicht nur mit der zur Verfügung stehenden Hard- und Software zusammen. Vielmehr hängt sie vor allem von der Präparation der Tiere, der Ausrichtung, den Beleuchtungsoptionen während des Fotografierens und der Nachbearbeitung der Fotos ab. So kann mit sehr einfachen Mitteln die Qualität der Fotos deutlich verbessert werden, wenn ein paar Regeln eingehalten werden:

Präparation
Die Präparation von Ameisen wird im Internet mehrfach beschrieben und mit Fotos belegt.
Um die präparierten Tiere für das photo-shooting optimal vorzubereiten, lässt man die Ameisen ca. einen Tag auf dem Papier-Dreieck trocknen. Danach ist es einfacher

•    eventuell nach oben stehende Beine nach unten auszurichten, damit sie nicht die seitliche Körperansicht des Tieres verdecken.

•    den Gaster nach oben zu biegen, damit die Unterseite von Petiolus und Postpetiolus besser sichtbar werden.

•    die Antennen so auszurichten, dass die Skapen nach oben oder zur Seite zeigen und die Funikel angewinkelt sind, damit die ganze Antenne auf das Foto passt.


Anstatt die Tiere auf weiße Papier-Dreiecke zu kleben, kann man auch Versuche mit schwarzem oder grauem Papier machen. Das nachträgliche Richten der verschiedenen Körperteile funktioniert nur bei frisch-räpariertem Material. Bei älterem, bereits länger präpariertem Material ist die Gefahr sehr groß, dass die Körperteile einfach abbrechen. Daher ist es in manchen Fällen (z. B. altes Typus-Material) sinnvoller, die Ameisen in der gegebenen Form aufzunehmen.

Ausrichtung
Im Rahmen des Projektes FoCol werden die Ameisen grundsätzlich aus drei Positionen fotografiert: der Kopf in Frontalansicht (von vorne), das ganze Tier in lateraler Anicht (von der Seite) und das ganze Zier aus dorsaler Sicht (von oben).


Frontalansicht: die Ameise sollte so ausgerichtet werden, dass die maximale Kopflänge (ohne Mandibeln) und die maximale Kopfbreite sichtbar ist. Um eine seitliche Schieflage der Kopfes zu vermeiden, orientiert man sich am besten an den Augen: sind sie an der linken und rechten Kopfhälfte in der gleichen Focusebene, stimmt die Ausrichtung in Hinsicht auf die Kopfbreite.
Eine gute Ausrichtung ist wichtig, da bei vielen Arten die Kopfbreite und die Kopflänge, bzw. der „Cephalic-Index“ ein Bestimmungsmerkmal sind. Oft sind bei solchen Aufnahmen die Mandibeln nur zum Teil sichtbar. Bei solchen Fällen lohnt sich eine Detailaufnahme der Mandibeln, da die Form, Verteilung und Anzahl der Zähne oft zur Artbestimmung genutzt werden.
Im Allgemeinen haben Ameisen einen links-rechts- symetrischen Körperbau. Um den Kopf mit einer höheren Vergrößerung fotografieren zu können, kann es  von Vorteil sein, eine der beiden Antennen nicht mit aufs Bild zu nehmen. Die fotografierte Antenne sollte dann aber voll sichtbar sein.


Lateralansicht: wenn die Ameisen Metanotaldornen hat, können diese zur Deckung gebracht werden, d. h. beim durch-focussieren wird der hintere Dorn vom vorderen verdeckt. Sind keine Dornen ausgebildet, ist die Ausrichtung etwas schwieriger. Die Ameise sollte horizontal fotografiert werden, so dass die maximale Länge sichtbar ist. Diese Länge, die sogenannte "Weber´s length" gehört auch zu den Standard-Messungen.

Dorsalansicht: hier sollten die linke und die rechte Körperhälfte gleich gut sichtbar sein.

Detailaufnahmen: Sind besondere Strukturen auffällig oder bekannte Artmerkmale bei den Standard-Aufnahmen nicht sichtbar, können (sollen) weitere Detailaufnahmen gemacht werden.




Beleuchtungsoptionen

Da Ameisen oft eine glatte Körperoberfläche haben, sind Lichtreflexe schwer zu unterdrücken. Wichtig ist beim Fotografieren eine entsprechende Lichtquelle und diffuses (also gestreutes) Licht. Als Lichtquellen können z. B. Kaltlichtleuchten mit Schwanenhalslampen oder einfache Schreibtischlampen mit Leuchtstoffröhren dienen. Hinweise zu verschiedenen Beleuchtungsmöglichkeiten und deren Effekte kann man im folgenden Artikel nachlesen:


Riedel, A. 2005. Digital imaging of beetles (Coleoptera) and other three-dimensional insects. In: Häuser et al. (eds.): Digital Imaging of Biological Type Specimens. A Manual of Best Practice. Results from a study of the European Network for Biodiversity Information: 222-250. Stuttgart.




Die AutoMontage-Anlage am SMNK. Als Beleuchtungsoptionen gibt es Schwanenhalsleuchten (für Ameisen) oder Leuchtstoffröhren (für Käfer).



Nachbearbeitung der Fotos

Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten Fotos nachzubearbeiten. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, die Bilder freizustellen bzw. bildfüllend zu beschneiden. Das bedeutet, dass man von den Fotos nur den Teil nimmt, auf dem auch tatsächlich etwas von der Ameise zu sehen ist. Eine Größenskala auf den Bildern sollte nicht fehlen. Auf eine vernünftige Auflösung der Bilder sollte man achten (z. B. 72 dpi). Wichtig ist auch ein sinnvoller Dateiname für die Aufnahme, besonders, wenn die Bilder zum download freigegeben sind. Ein sinnvoller Dateiname wäre beispielsweise der Artname.





Beispiel für eine nicht bildfüllende und eine bildfüllende Aufnahme.

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